Chaos wächst vom Kopf in die Umgebung

Das, was Claudia ein Bündel „Lose Enden“ nennt, heißt bei mir „Sauerkraut im Kopf“. Weil es sich so anfühlt.

Viele kleine und kleinste Aufgaben aus unterschiedlichen Zusammenhängen. Alles wirr, ganz viele Schnipsel, kein Überblick, ich weiß nicht, wo ich anfassen soll, um das Bündel zu entwirren.

Automatisch mache ich es wie beim Sauerkrautessen: Ich nehme mir einen Haufen auf die Gabel. Heißt übersetzt: Ich fange an mit Multitasking und Transportoptimierung. Klingt clever, ist es aber nicht.

  • Da war doch noch was, das passt dazu?. Das nehme ich gleich mit“. Tschüs Fokus. Suchen! Am Ende ist es noch ein Punkt mehr.
  • Ich sammele Dinge auf der Treppe, da brauche ich ja nur einmal zu gehen und spare Zeit. Leider hab ich nur zwei Hände. Wenn ich Glück habe, geht nichts kaputt. Noch ein Zwischenschritt mehr, bis etwas fertig ist.
  • Ich lasse die Unterlagen auf dem Schreibtisch, damit ich morgen gleich weitermachen kann. Oh, ein Anruf. Wie schreibe ich hier Notizen, wenn alles voll liegt? Ach ja, die Post. Ne, wegheften geht jetzt nicht. Kein Platz mehr für den Ordner. Noch ein Berg, der wächst.

In Wahrheit wird es immer schlechter als besser. Der Stapel wird immer wirrer und der Start von Tag zu Tag schwieriger und lustloser. Das Sauerkraut wuchert aus dem Kopf in die Umgebung. Wie der Herr, so das Gescherr – leider bin ich nicht das Genie, das das Chaos beherrscht. Im Gegenteil werde ich immer genervter. Keine Freude mehr? Kein Fertigwerden? Nur verbissen rackern?

Stopp! Mein Bodyguard greift ein.

Spätestens bei diesen Signalen meldet sich mein innerer Bodyguard. „Hey, merkst Du nicht, dass du viel länger brauchst und keinerlei Erfolg hast, der dich beflügelt?“ Stimmt. Ich muss mich aus dem wuchernden Sumpf befreien .

Am besten gelingt es mir, wenn ich kurz das Gegenteil tue: Nämlich rausgehen und gar nichts tun. Frische Luft und ein bisschen Abstand. Ein paar Minuten reichen schon.

Und dann fange ich an, aufzuräumen.
Ich räume mir den Tisch frei. Die Treppe leer.
Ich sorge für optische Ruhe. Ich stelle mir eine Blume oder ein neues Bild in Blickweite.
Ich verschaffe mir eine akustische Wohltat. Entweder Stille oder eine schöne Musik, die mich trägt.

Dann nehme ich mir EINS heraus, und erst, wenn ich es fertig habe, mache ich einen zeremoniellen Haken daran und nehme ich mir das Nächste auf den Tisch.

„Mach es Dir so, wie es für dich am besten ist.“

Eins nach dem Anderen!

Allein dieses Vorgehen bringt mir enorm viel Präsenz und Kraft.
Mag sein, ich hab unbewusst Prioritäten gesetzt nach Wichtigkeit, jedenfalls sind weder durch eine Unpünktlichkeit Katastrophen geschehen noch habe ich Wichtiges vergessen. Ich will hier auch nicht Zeitmanagement lehren.

Was ich betonen möchte:
1. Stetig eins nach dem anderen! Das bringt für mich viel bessere Ergebnisse und die Arbeit macht viel mehr Freude.

2. Obwohl ich das so genau weiß: Wenn ich es am nötigsten brauche, vergesse ich es!
Unglaublich!
Können Sie mir das erklären? 🙂

Über die Autorin Elke Kaiser ist Dipl.Ing.oec. und Mediatorin. Sie arbeitet mit Unternehmerpaaren an gelungenen Beziehungen miteinander und mit den Mitarbeitenden, damit frohes Schaffen jeden Tag bereichert. Außerdem unterstützt sie als Prozessberaterin im Rahmen des EU-Förderprogramms unternehmensWert:Mensch Inhaber von Kleinbetrieben dabei, mittels moderner Personalführung und Personalentwicklung die Interessen der Menschen und des Unternehmens zu verbinden.